Der ganz normale deutsche Wahnsinn?

- Redebeitrag zur Kampagnendemonstration „Apfel-Zentrale im Lockwitzgrund einsaften“ am 12.11.2005 in Dresden -

Seit dem Antifasommer findet innerhalb autonomen antifaschistischen Gruppen die zwingend notwendige Auseinandersetzung mit dem staatlichen Antifaschismus statt, dem wir wiederum eine revolutionäre Alternative entgegensetzen wollen. Auch innerhalb unserer Gruppe, der Antifa RDL, welche erst unlängst aus jahrelangem Winterschlaf erwachte, findet eine intensive Diskussion über diese Problematik statt. Ein aktuelles Ereignis verlangte dabei von uns geradezu nach einer kritischen Reflektion des ganz normalen deutschen Wahnsinns.

Nachdem in der Stadt Leisnig in den letzten Monaten Übergriffe von Nazis – von denen Hetzjagden auf Punker zur Mittagszeit, ein Angriff mittels Messer, bei dem eine junge Frau verletzt wurde und die Bedrohung mit Schusswaffen nur die schlimmsten Auswüchse waren – zur alltäglichen Realität geworden sind, fand dort vor zwei Wochen eine Spontandemonstration statt, die auf den enormen Anstieg von rechtsradikalen Gewalttaten aufmerksam machte.
Dieser Anstieg korrespondiert mit den verstärkten Bemühungen der Nazis Strukturen in der Region zu etablieren. So fand am selben Tag eine JN-Stützpunktgründung statt, die aber durch den unerwarteten Protest zahlreicher AntifaschistInnen nachhaltig gestört wurde.

Mit der darauf folgenden Berichterstattung setzte sich ein – zumindest in dieser Gegend- bisher beispielloser Verleumdungsapparat in Gang. So hetzte die Lokalpresse gegen ein linkes Leisniger Wohnprojekt – und betitelte dieses wortwörtlich als Terrorzelle. In einem persönlichen Kommentar, unterstreicht die Chefredakteurin der Döbelner Allgemeinen Zeitung, dass die Betroffenen rechtsradikaler Gewalt ja nur aufgrund ihrer äußerlichen Provokation zu Opfern werden. Die Mehrheit der LokalpolitikerInnen negiert das vorhandene Naziproblem und unterstellt den DemonstrantInnen unlautere Absichten. Dabei verzeichneten sowohl lokale AntifaschistInnen sowie zivilgesellschaftliche Initiativen einen Anstieg brutaler Neonazigewalt und konnten dies auch empirisch belegen. Auch die Polizei bestätigte mittlerweile die angezeigten Straftaten, stellt in den meisten Fällen die politische Motivation jedoch immer noch in Frage, die Lokalpresse nahm dies erneut zum Anlass, die Verantwortung dafür den Bewohnern des linken Wohnprojektes anzulasten. Oder anders ausgedrückt: die Opfer sind selber Schuld, wenn sie von Naziübergriffen betroffen sind.

Diese Tatsache beweist einmal mehr, dass rechte Ideologien keine Randerscheinung gesellschaftlichen Denkens sind, sondern weithin in dieser verankert sind. Den BürgerInnen ist die heimelige Idylle wichtiger als das Naziproblem und die LokalpolitikerInnen verschweigen es zugunsten des eigenen Standorts. Menschen, die sich gegen die Nazibedrohung stellen, werden folgerichtig zum Problem, der militant auftretende Nazimob hingegen wird ignoriert – Deutsche Zustände eben.

Diesen jedoch werden wir uns auch in Zukunft, sei es in Leisnig, heute hier in Dresden oder jedem anderen Ort, entgegenstellen. In diesem Sinne:

LET‘S ROCK THE KRAUTS!


Transpa





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