Archiv für Februar 2007

Naziüberfall auf alternatives Kulturcafé in Döbeln

Am Samstag, dem 10. Februar überfielen etwa 15-20 vermummte Nazis das Café Courage, ein soziokulturelles Zentrum in Döbeln. Dort fand zu diesem Zeitpunkt eine Kabarettveranstaltung statt. Bei diesem Überfall wurde eine Besucherin verletzt, sowie die Inneneinrichtung der Lokalität stark beschädigt. AugenzeugInnen berichteten, dass die TäterInnen wohl überrascht über die Klientel der Veranstaltung waren. Sie hatten wohl nur mit jugendlichen BesucherInnen gerechnet, so dass davon auszugehen ist, dass sie wohl schlimmeren Schaden anrichten wollten. Angesichts des gewalttätigen Vorgehens der Täter, die mit Flaschen und Holzknüppeln um sich warfen, hätte der Schaden weitaus größer ausfallen können.
Der Ablauf des Überfalls ähnelt der Praxis einer militanten Nazigruppe aus dem Raum Mittweida, auf deren Konto bereits zahlreiche ähnliche Überfälle gehen. Es ist daher nicht auszuschließen, das die TäterInnen aus dem Umfeld der militanten Neonazikameradschaft Sturm 34 kamen. Der Überfall war auch definitiv keine spontane Tat, sondern bereits im Voraus geplant. Die TäterInnen verfügten über eine gewisse Ortskenntnis, wussten wo sie ihre Fahrzeuge abzustellen haben und auf welchem Weg sie den Tatort unbemerkt verlassen können. Bezeichnend ist außerdem, dass diesem Überfall einige Pressemitteilungen des NPD-Landesvorstandes Sachsen und des NPD-Kreisverbandes Döbeln vorausgingen, die letztendlich offensichtlicher Auslöser für den Übergriff waren. Diese Presseinformationen wurden am 05. Februar 2007 auf verschiedenen Homepages der NPD und in diversen einschlägigen Internetforen der Naziszene veröffentlicht. Ohne die geringsten Beweise wird darin ein Zusammenhang zwischen dem Treibhaus e.V., welcher der Betreiber des Café Courage ist und einem Übergriff auf eine NPD-Versammlung in Waldheim konstruiert.
Das Ziel dieser Unterstellungen ist die Diskreditierung von zivilgesellschaftlichen Projekten, die sich demokratischen Grundwerten und einer Zurückdrängung rechten Gedankengutes verpflichtet fühlen und damit für die NPD zum Feinbild werden. Auch das antirassistische und antifaschistische Engagement dieser Projekte ist der NPD ein Dorn im Auge. Projekte wie die Netzwerkstelle Döbeln, oder die Antirassistische Initiative Döbeln.
Die Behauptungen in diesen Pressemitteilungen entbehren jedweder Grundlage. Dass diese Veröffentlichungen für die betroffenen Projekte nicht folgenlos bleiben, zeigt der Angriff auf die Gäste des Café Courage. Die gewaltbereite Anhängerschaft der NPD aus dem Kameradschaftsspektrum nahm sich diese Behauptungen ungeachtet der absurden „Beweisführung“ zum Anlass, die vermeintlich Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen.

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