Archiv für August 2007

Kühe, Schweine, Ostdeutschland …

Etwa 250 AntifaschistInnen problematisieren die unerträgliche Situation vor Ort durch eine spontane Demonstration:

In den frühen Abendstunden des 21. August protestierten etwa 250 AntifaschistInnen im sächsischen Mügeln gegen die rassistischen Ausschreitungen des vergangenen Wochenendes. Nur einige wenige Mügelner BürgerInnen betrachteten den Demonstrationszug, zumeist mit skeptischen Blicken. Die Mehrzahl hatte sich wohl schon in ihren Fernsehsessel begeben. Auch der Aufforderung, doch gefälligst Geld für die betroffenen Menschen zu spenden, kamen nur sehr wenige nach. Stattdessen sahen sich die DemonstrantInnen mit einer allgemeinen Ablehnung konfrontiert. Diese zu erwartende Ignoranz der Mügelner Bevölkerung zeigt sich noch viel deutlicher in den kruden Aussagen ihres Bürgermeisters, der nach wie vor einen neonazistischen Hintergrund leugnet.

Was war geschehen?
In einer regelrechten Hetzjagd werden in den frühen Morgenstunden des vergangenen Sonntag, mehrere MigrantInnen von einem Konglomerat aus Nazis und StadtfestbesucherInnen durch die sächsische Kleinstadt Mügeln gejagt. Zahlreiche Schaulustige versammeln sich um eine Pizzeria, in welche die Verfolgten flüchteten. Doch damit nicht genug. Der rasende Mob dringt in die Lokalität ein, beschädigt dabei die Eingangstüren, sowie das Auto des Eigentümers und verletzt mehrere Personen, einige sogar ziemlich böse.

Diese Nachricht geistert derzeit durch die gesamte deutsche Medienlandschaft. Und was passiert in Mügeln? Der Bürgermeister beteuert: In Mügeln gebe es überhaupt keine Rechtsradikalen. Komisch, dass gerade in Mügeln der Naziversand „No Colours“ beheimatet ist. Und das Wahlergebnis bei der letzten Landtagswahl spricht ja auch für sich, denn die 9,7% NPD-Stimmen im Landkreis waren ja bestimmt auch nichts anderes, als eine reine „Protestwahl“. Die Polizei tut sich selbst drei Tage nach dem Pogrom immer noch schwer damit, einen fremdenfeindlichen Hintergrund zu bestätigen. Wahrscheinlich waren die propagierten Parolen wie: „Ausländer raus“ und „Hier regiert der nationale Widerstand“ nichts weiter als eine kleine Stadtfesteinlage. Mal was anderes als die üblichen Feuerwerkspielereien.

Während die verantwortlichen Regionalpolitiker alles tun, um in typisch standortnationalistischer Manier den Ruf der Stadt zu retten, während die EinwohnerInnen wieder in ihren Alltag zurückkehren und hoffen, dass der Medientrubel schnell vorüber geht, müssen sich die betroffenen Menschen hingegen ernsthafte Gedanken über ihre Zukunft machen.
Ihnen allein galt die Solidarität der anwesenden DemonstrantInnen.

Solidarität mit den Opfern rassistischer Gewalt!!!
Den deutschen Mob von der Strasse fegen!!!

weitere Berichte:
venceremos

Bilder:
akubiz e.V.

Blogsphere:
Pressemitteilung des Netzwerkes Döbeln
ostdeutsche Zustände

girlsetsfire
subwave
uglydresden
antibuerokratenteam.net
Wartezeit überbrücken

Stimmen aus dem Mügelner Volksmob:
Spiegel Online berichtet über Stimmen am Rand der Demonstration:

„Was will dieses Pack hier?“, pöbelt ein Mittvierziger am Straßenrand

„Gesocks“, schimpft eine Frau in den Fünfzigern

Ein offensichtlich angetrunkener Mann im grünen Arbeitsoverall hebt den Arm kurz grinsend zum Hitler-Gruß.

„Was wissen die denn schon, die waren doch gar nicht dabei“, ereifert sich der Mann neben ihm

… in Mügeln ist die Welt wohl doch noch in Ordnung

laut Tagesschau soll der verrückte Bürgermeister der Stadt für einen neuen Eklat gesorgt haben:

Er sagte der „Financial Times Deutschland“, Parolen wie „Ausländer raus“ könnten „jedem mal über die Lippen kommen“.

… das paradoxe an dieser Aussage ist nicht ihr skandalöser Gehalt, sondern die Tatsache, dass sie anbetrachts deutscher Normalität zutrifft.




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