Archiv für Mai 2008

10 Jahre deutsche Zustände

Am 10. Mai 2008 feierte die „Kameradschaft Gebersbach-Rudelsdorf“, besser bekannt unter dem Namen „Kameradschaft Ochsenkopf“ ihr 10-jähriges Bestehen. Etwa 50 Personen nahmen an den Feierlichkeiten teil.

Die „Kameradschaft Gebersbach-Rudelsdorf“ ist die älteste, der fünf derzeit im Landkreis Döbeln existierenden Nazi-Kameradschaften. Während andere Gruppen zumeist von jugendlichen Nazis frequentiert werden, handelt es sich hierbei um einen Altherrenverein, der sich vornehmlich aus den Dörfern der Gemeinde Gebersbach-Knobelsdorf rekrutiert. Seit mehreren Jahren versuchen die Kameradschaftsmitglieder das Gemeindeleben mit ihren nationalistischen Akzenten zu unterminieren. In der Öffentlichkeit treten die einzelnen Personen, die dem Umfeld der Gruppe zuzurechnen sind bewusst bieder auf. Wenn die Ochsenköpfe im engen Kreis unter sich sind, sieht die Sache allerdings schon etwas anders aus.
Etwa 20 Personen gehören zum festen Stamm dieser Gruppierung, allesamt männlich und nicht jünger als 40 Jahre. In der Öffentlichkeit tritt die Gruppe als scheinbar harmlose Alternative zum Dorfklub auf. Nur die wenigsten Leute aus den umliegenden Dörfern wissen, dass es sich um eine nazistische Gruppierung handelt, obgleich dies gelegentlich hinter hervor gehaltener Hand gemunkelt wird.

Die „Kameradschaft Gebersbach-Rudelsdorf“ gründet sich 1998 nach dem Vorbild einer Kameradschaft aus Hoyerswerda. Ihr Motiv ist die Gemeinde mit mehr deutscher Tugend zu prägen. Es gibt bestätigte Angaben darüber, dass in den Anfangsjahren Mitgliederausweise existierten, die mit NS-Symbolen verziert waren. Daneben besitzt jedes Kameradschaftsmitglied Kleidungsstücke, die mit dem Konterfei der Gruppe (Wappen und Kameradschaftsname) bestickt sind. Ein Aufkleber auf dem PKW weist auf die Zugehörigkeit des Besitzers hin. Solcherlei Uniformierung ist heutzutage zwar untypisch für organisierte Nazistrukturen, lässt sich aber leicht mit dem Altersdurchschnitt dieser Gruppe erklären.
Als Kopf dieser Altherren-Riege fungiert ein gewisser René Illken. Dieser fällt gelegentlich durch seine Sammlerleidenschaft auf: Er sammelt NS-Propaganda und andere Devotionalien aus dem Dritten Reich. Seinen Sohn hat er Otis genannt, was zeigt, dass er den Gedanken vom germanischen Herrenvolk nicht gerade ablehnend gegenübersteht.

Die „Kameradschaft Gebersbach-Rudelsdorf“ hat sich vor wenigen Jahren dafür eingesetzt, dass an ein in Rudelsdorf stehendes Kriegerdenkmal eine zusätzliche Gedenktafel angebracht wird, um ausschließlich die „deutschen Opfer“ der beiden Weltkriege zu betrauern. Zahlreiche Bürger_innen der Gemeinde begrüßten damals dieses Engagement.
Derzeit bemühen sich die Kameraden den Bau einer Gedenkstätte auf dem Grundstück von Rene Illken zu ermöglichen. Diese soll als ein Aussichtspunkt konzipiert werden. Von diesem soll einmal die gesamte Gemeinde überblickt werden. Allerdings dient er nicht vorrangig dem touristischen Vergnügen, sondern soll künftige Besucher_innen an vergangene deutsche Taten erinnern.

Zu den von der Kameradschaft organisierten Dorffesten erscheint regelmäßig Bodo Hampel, ein einschlägig bekannter Waffelbäcker aus Colditz. Dieser verkauft seine Waffeln natürlich nur an deutsche Kunden. Seine Gesinnung unterstreicht er mit einem kleinen rechteckigen schwarzen Schnurbärtchen über seiner Oberlippe. Das Gros des Publikums solcher Feste ist eindeutig dem rechten Spektrum zuzuordnen. Zahlreiche Besucher_innen reisen dazu eigens von außerhalb an.
Auch die meisten der Gäste, welche zum 10. Jahrestag geladen waren, stammten nicht aus der Region. Teilweise kamen sie sogar aus Bayern und Österreich.
So kamen am 10. Mai etwa 50 Personen bei schönstem Wetter zusammen. Deshalb entschieden sich die Gastgeber dieses Mal, nicht wie üblich, in den Räumlichkeiten des Knobelsdorfer Gasthofes zu feiern, dessen Inhaber selbst Kameradschaftsmitglied ist. Stattdessen fand das Jubiläum auf dem Grundstück von Holger Beck statt, der ebenfalls zum festen Mitgliederkreis der Gruppe gehört.

Doch scheinbar regt sich nun auch in den Dörfern dieser Gemeinde antifaschistischer Widerstand. So trugen in der Nacht vom 9. zum 10. Mai einige kreative Graffitis zur Verschönerung der Feierlichkeiten bei, welche die Bewohner_innen der Dörfer auf dieses Treiben aufmerksam machten. In diesem Sinne:

KEINE TOLERANZ WEDER KOPF NOCH OCHSENSCHWANZ




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