Les Chemins de la liberté war ein loser Zusammenhang kosmopolitischer KommunistInnen, AnarchistInnen und PostmodernistInnen, der sich im Dunstkreis der regionalen Antifa-Szene bewegt hat. Einige von uns sind nach wie vor in regionalen antifaschistischen Gruppenzusammenhängen organisiert. Allerdings verstand sich unsere Gruppe von jeher immer schon als ein eigenständiges Theorieprojekt. Diesen Anspruch wollen wir auch weiterhin beibehalten, trotz der Tatsache, dass sich unsere Gruppe derzeit in einem Umstrukturisierungsprozess befindet, dessen Ergebnisse bislang noch nicht absehbar sind.

Wir hatten uns immer schon eine kritische Reflexion der gesamtgesellschaftlichen Zustände auf die Fahnen geschrieben. Dabei sollte niemals ein Anspruch auf Vollständigkeit oder Allgemeingültigkeit unserer Thesen entstehen. Sie sollten vielmehr immer nur als Denkanstöße dienen.

Im Wissen um die realen Bedingungen gesellschaftlicher Intervention hatte mensch sich schon längst von romantischen Revolutionsschwärmereien nebst Massenansatz verabschiedet und sich stattdessen den Grübeleien salonkommunistischer Avantgardist_innen zugewandt.

Die Schwerpunkte unserer Kritik verorteten wir dabei in der Analyse und Kritik von Herrschafts-, Diskriminierungs- und Unterdrückungsverhältnissen, Ideologiekritik, sowie Kritik der politischen Ökonomie. Ein weiterer Themenkomplex war die Kritik der bürgerlichen Aufklärungsideologien. Der Adressat all dieser Kritiken sollte im Sinne Adornos immer das „falsche Ganze“ sein.

Ein weiteres Bedürfnis unseres Zusammenhanges war dabei die Weiterentwicklung des radikallinken Diskurses. Dies schloss aber auch immer schon den Versuch einer zumindest theoretischen Überwindung all jener Denk- und Verkehrsformen mit ein, in denen das bürgerliche Subjekt selbst verhaftet ist. Also sämtlicher fetischisierter Formen abstrakter Herrschaft.

Für unsere Gruppe war schon immer – ganz im Sinne eines Diktums von Karl Marx und Friedrich Engels – die freie Entfaltung des einzelnen Menschen die conditio sine qua non für die freie Entfaltung aller Menschen. Deshalb kam für uns ein Denken und Handeln innerhalb kollektiver Kategorien primär auch niemals in Frage. Communismus – also die Assoziation der Freien und Gleichen – bedeutet uns hingegen die „Einheit des Vielen ohne Zwang“.

Ausgehend von einer antinationalen Position – welche die Unterwerfung des bürgerlichen Subjekts unter die Realabstraktionen von Staats- und Rechtsform immer schon mitdachte – wurde jegliche nationale Identität kategorisch abgelehnt. Unter Nation wurde bei uns immer eine synthetische Konstruktion verstanden, die sich aus einer gesellschaftlich (re)produzierten Sucht nach Identität erklärt und sich letztlich über territoriale, kulturelle und historische Größen definiert, sich dabei immer affirmativ zu allen organisatorischen Rahmenbedingungen des bestehenden Systems verhält.
Zudem schließt solch eine Identität immer das automatische Ausgrenzen von anderen Individuen mit ein.
Allerdings unterschied sich unsere Position auch eindeutig von jenen idealistischen Nations- und Staatskritiken, die keinerlei Begriff vom Gegenstand der Kritik zu haben scheinen.

Staaten haben innerhalb des kapitalistischen Verwertungsprozess immer nur einen administrativen Charakter. Nichtsdestotrotz haben sie sich zur spezifischen Organisationsform der bürgerlichen Gesellschaft entwickelt. Es liegt nicht in unserem Interesse diesen Leviathan auch nur ansatzweise zu zähmen. Nur seine Abschaffung ist Teil jenes Tickets in das Reich der Freiheit und Gleichheit. Allerdings kommt die Negation der Einrichtung „Staat“ auch nicht ohne eine materialistische Analyse aus. Die Negation dieser Institution erfolgt aus unserer Sicht nur in Kenntnis ihrer historischen, politischen und sozioökonomischen Konstitutionsbedingungen.

Trotz und gerade wegen dieses Anspruchs befürworteten wir auch unbedingt das Existenzrecht Israels – und tun dies auch heute noch außerhalb unseres Gruppenzusammenhanges. Dieser Staat entstand nämlich als Reaktion auf die gescheiterte bürgerliche Aufklärung, sowie der verspäteten Notwehr gegen den Genozid an den europäischen Jüdinnen und Juden. So lang eine Assoziation freier und gleicher Individuen nur eine Utopie ist, so lang die Reaktion auf die eigene existentielle Situation mit einer negativen Aufhebung des Kapitals einhergeht, so lang es rückwärtsgewandtes Denken gibt und der Antisemitismus in seiner traditionellen und in seiner modifizierten Form ein integraler Bestandteil verschiedenster Ideologeme ist, so lange ist eine Solidarität mit diesem Staat notwendig und unabdingbar.

Da die Welt sich partout nicht verändern will beziehungsweise Veränderungen nur in der Vexierform einer Transformation des immer Gleichen zu kennen scheint, bleibt es nach wie vor unsere Aufgabe, sie zu interpretieren. U. Enderwitz aus dem Vorwort von: „Was ist Ideologie?“

bislang veröffentlichte Texte, Essays und Flugblätter:

Fascism Reloaded?

Geschichtsrevisionismus von Links?

zur Frage nach Perspektiven für eine antifaschistische Intervention

Ambivalente Opposition gegen die eigene Subjektform – Zum Verwandtschaftsverhältnis nationalsozialistischer Ideologie und bürgerlicher Gesellschaft.

Sind Nazis Mainstream? Versuch einer Ideologiekritik.

Keinen Bock auf Volksgemeinschaft!

Geschichte wird gemacht!

Quo vadis sinistra?




Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: